Walter Bronnenmeyer - Richard Wagner Bürger in Bayreuth - 1983

Walter Bronnenmeyer

Richard Wagner Bürger in Bayreuth

Wechselspiel von Allianz und Mesalliance



Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
Verlag: Ellwanger Druck u. Verlag (1983)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3925361014
ISBN-13: 978-3925361012
mit vielen schwarz-weiß und farbigen Abbildungen


Inhaltsverzeichnis:

Des Bürgers Kern - Seite..... 7

Das liebliche Bayreuth - Seite..... 27

Ein Festspielhaus wird gebaut - Seite..... 43

Der Wahnfritz - Seite..... 77

Hungersnot, Hungersnot ... - Seite..... 105

"Richard , du bist nicht ganz proper" - Seite..... 139

"Wir Kleinstädter..." - Seite..... 152

Ein Stück Gesamtkunstwerk - Seite..... 179

Zum Inhalt:

Richard Wagners widersprüchliche Persönlichkeit vereinigt Genie und Bürgerlichkeit auf seltsame Weise. über den Künstler und sein Werk haben Musikologen, Literaten, Psychologen, Philosophen, Mediävisten im Verlauf der letzten 100 Jahre mit Bänden und Schriften Bibliotheken gefüllt. Der Bürger Richard Wagner indessen ist am besten dort dingfest zu machen, wo er als solcher gelebt hat: in Bayreuth. Hier wurde er mit 59 Jahren seßhaft nach einem erregenden, rastlosen Dasein als „Fremdling überall" wie Franz Schuberts Wanderer. Hier setzt dieses Buch ein, in dem Wagner als Bürger in Bayreuth porträtiert wird. Die Stadt und ihre Menschen stehen dabei stellvertretend für ein deutsches Kleinstadtleben im 19. Jahrhundert; Handwerker, musische Dilettanten, Militär, Honoratioren bilden im begrenzten Lebensraum ein Sozialgefüge ohne Hochkultur. Und hier, im Winkel, verwirklicht Richard Wagner seine Festspielidee. Hier baut er sein Haus, freut sich seiner Familie, erprobt an seinen Mitbürgern sein demagogisches Geschick und macht die Stadt - wie der Autor resümiert - zu einem Teil des Gesamtkunstwerks. In Bayreuth trifft Wagner auf Siegestaumel und Hurra-Patriotismus nach dem Krieg von 1870/71, er etabliert sich als angesehener Bürger, der seine Beziehungen zum Magistrat ebenso spielen läßt wie zu den königlichen Behörden in München. Er bekommt die Lokalpresse in den Griff, macht sich beliebt als Tierfreund und freigebiger Helfer, wo es Not zu lindern gilt. Er lobt und tadelt die Bayreuther, beleidigt sie, um sie mit einem Schulterklopfen wieder zu versöhnen. Aber dieses Bürgertum ist zugleich auch Rollenspiel des Theatermenschen. Es führt letztlich doch nicht zum persönlichen Glück. Ein Wechselspiel von Allianz und Mesalliance nennt der Autor die bürgerliche Existenz Richard Wagners in der Stadt seiner Festspiele, die für einen der bedeutendsten Männer des 19. Jahrhunderts letztlich doch mehr als eine Nummer zu klein war. Anhand der Tagebücher Cosimas wird belegt, wie verdrossen der kranke Wagner in den letzten Jahren in Bayreuth gelebt hat. Bei allem notwendigen Lokalkolorit ist dieses Buch mehr als ein Stück Bayreuther Stadtgeschichte. Es ergänzt Wagners Biografie, indem es auch von den Menschen berichtet, in deren Mitte Richard Wagner als Bürger gelebt hat, schlichte und von der Literatur bisher unbeachtete Zeitgenossen des großen Komponisten, unter ihnen fähige Köpfe, die zum Gelingen der Festspiele beigetragen haben. Dieses Bayreuth der Jahre von 1871 bis 1883 ist zugleich eine Szene, in der sich etwas „Meistersinger"-Idyllik spiegelt mit dem Hauptdarsteller Richard Wagner in der Rolle eines Hans Sachs am Roten Main.

Zum Autor:

Die Thematik dieses Buches stellt zwei Forderungen an den Autor: Er muß Wagner-Experte und intimer Bayreuth-Kenner zugleich sein. Walter Bronnenmeyer erfüllt diese Voraussetzungen. Er wurde 1934 in Bayreuth geboren, ist hier aufgewachsen, sehr früh schon in den Dunstkreis der Festspiele geraten und in seiner publizistischen Arbeit immer wieder mit Wagner konfrontiert worden. Vollmundige Schilderungen des eigenen Werdegangs sind ihm zuwider, auch mag er seinen Vornamen nicht, darum schreibt er ihn nie aus. Die journalistische Laufbahn begann er beim „Bayreuther Tagblatt"; dies führte dazu, daß er 1966 die Redaktion der „Festspielnachrichten" übertragen erhielt. 1972 erschien sein Buch „Vom Tempel zur Werkstatt", die erste umfassende Geschichte der Bayreuther Festspiele. Als Musikkritiker berichtet er für Rundfunksender und in führenden Fach- und Tageszeitungen seit fast zwei Jahrzehnten über die Festspielaufführungen in Bayreuth. Auch als Feuilletonchef der „Nürnberger Zeitung", der er heute ist, hat er sich von seiner Heimatstadt nicht abgenabelt. Vertraut mit der Mentalität der Bayreuther, kritisch-versöhnlich gegenüber ihren Eigenheiten, konnte er sich in das Bürgerleben vor 100 Jahren gut einfühlen, als er dieses Buch schrieb. Er kennt Traditionen, weiß, wo mündliche Überlieferungen noch fortleben, und war daher bei der Beschäftigung mit Richard Wagners Bürgerleben nicht allein auf Archivquellen angewiesen. Die Liebe zur Sache und die Freude am Detail haben bei der Arbeit an diesem Buch nie den kritisch prüfenden Blick verstellt. Es wird weder geschont noch geschönt, und es platzt so manche Seifenblase der Illusion.

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