Agnieszka Bitner-Szurawitzki - Wagner als Philologe - 03/2013


Agnieszka Bitner-Szurawitzki

Wagner als Philologe.


Textarchäologische Erschließung des 'Ring des Nibelungen' und dreier polnischer Übersetzungen.



Königshausen & Neumann, 04/2013
ISBN-10: 3826050614
ISBN-13: 9783826050619
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 238
Sprache: deutsch
Gewicht: 505 g
Maße: 235 x 155 mm
Stärke: 17 mm


Zum Inhalt:

Im Buch wird gezeigt, dass Wagner an seiner Ring-Dichtung philologisch gearbeitet hat: Er hat bewusst (dies wurde anhand eigener Korrekturen Wagners in den Ring-Handschriften belegt) Worte benutzt, deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit (ab dem Mittelalter bis zum 19. Jh.) teilweise erheblich geändert hat. Kontrastiert man bei der Interpretation des Textes sowohl neue als auch historische Bedeutungen dieser Worte, so eröffnen sich neue Interpretationsmöglichkeiten, die in der bisherigen Wagner-Forschung noch nie thematisiert wurden. Dabei sind die auf diesem Wege erzielten Interpretationen durch die Handlungsproblematik immer eindeutig belegbar.
In der Ring-Dichtung wird ein Netzwerk aus Kernpassagen und -aussagen, die durch Leitlexeme aufeinander bezogen sind, entdeckt. Dabei stellt sich heraus, dass versteckte Subtexte, die sich aus diesen Leitlexemen ergeben, nicht zeitgleich erschlossen werden können. Erst die Betrachtung dieser zentralen Motive in unterschiedlichen Zeitfenstern bringt ein kohärentes Deutungsangebot. Weiter wird eine immanent stetig aufscheinende Präzision der Bedeutungsbildung bei Wagner gezeigt, wobei die Bedeutungsbildung oft auf der Reaktivierung verlorener bzw. archaisierter Wortbedeutungen basiert. Die erzielten Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der Ring-Text präzise philologisch konzipiert worden ist. Diese Erkenntnis, zu der mit philologischen Methoden (und in erster Linie mit dem Zugriffsinstrumentarium moderner Sprachwissenschaft) gelangt wurde, schließt lückenlos an die Wagner-Forschung des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts an, die Wagner als Philologen angesehen hatte. Im Fall der Ring-Dichtung kann zweifellos von einem erkannten verzögerten Zugang zu dem Philologen Wagner gesprochen werden: Der Sprachgebrauch ist in seinem gesamten Umfang noch zu entdecken. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen somit, dass präzise Philologie da nützlich sein kann, wo die Wagner-Forschung, die vorrangig einen musikwissenschaftlichen, philosophischen oder theatrerwissen-schaftlichen Ansatz hat, scheitert. Diese Erkenntnisse bedeuten, dass in der Gesamtbetrachtung des Rings die Rolle der Sprache zu akzentuieren ist, da eine präzise, philologische (und sprachhistorische) Betrachtung bestimmter Worte der Schlüssel zum Verstehen mehrerer Aspekte des Gesamtkunstwerks sein und unter Umständen auch die Aufführungspraxis beeinflussen kann.

Zur Autorin:

Agnieszka Bitner-Szurawitzki, 1997-2002 Studium an der Hochschule für Musik in Kattowitz, 2003- 2007 Germanistik und Polonistik an der Universität Abo Akademi, Finnland, und der Jagellonen- Universität, Krakau. 2012 Promotion in Mainz im Fach Slavistik/Polonistik.


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