Ulrich Drüner - Richard Wagner - Die Inszenierung eines Lebens - 05/2016

Ulrich Drüner

Richard Wagner 

Die Inszenierung eines Lebens

Biografie mit 122 Abbildungen darunter 21 Erstabbildungen

Karl Blessing Verlag, 05/2016
Einband: Gebunden
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 389667563X
ISBN-13: 9783896675637
Umfang: 832 Seiten
Sonstiges: 40 schwarz-weiße Abbildungen
Gewicht: 1125 g
Maße: 232 x 155 mm
Stärke: 50 mm

Inhaltsverzeichnis:

Seite .....  17 ..... Einleitung - Wie >wahr< ist eine Biografie?
Wahrheit und Mythos in einer Biografie - Die Quellenlage -
Die drei Wahrheiten über Wagner - Wie nähere ich mich
Wagners Kunstwerk?

TEIL EINS
Am Anfang war der Mythos
Seite .....  35 ..... 1. Die ersten siebzehn Jahre
Kindheit,Jugend,Schulzeit — Dresden und »Der Freischütz« 一
Tod des Stiefvaters, Dresdener Kreuzschule und Flegeljahre —
Onkel Adolfin Leipzig - Musikunterricht,Beethoven-Begeisterung
und die Leipziger Thomasschule

Seite .....  55 ..... 2. Studentenjahre
Das Echo der Juli-Revolution 1830 - Von den Freuden
des Studentenlebens und erste Kompositionen -
Ausbildung bei Kantor Meinlig 一 Das »Fidelio«-Erlebnis
mit Wilelmine Schröder-Devrient

Seite .....  66 ..... 3. Erste Schritte als Künstler
Eine unglückliche Liebe - Chordirektor in Würzburg und die
»Die Feen« - Ein erstes Opfer des Mythos Wagner: das Frühwerk
Seite .....  74 ..... 4. Wie bringt man eine neue Oper auf die Bühпе?
Amouröse Abenteuer in Würzburg und Ärger um »Die Feen« -
Minna Planer,》Goldjunge« Apel und Madame Gottschalk -
Wie plant ein romantischer Musiker seine öffentliche Erscheinung? -
»Das Liebesverbot«: blaue Flecken und leere Kasen -
Wagners Reverenz an den .jeist der Demokratie

Seite .....  92 ..... 5. Minna Wagner, geb. Planer
Segen und Fluch der Autobiografik - Hochzeit mit Richard
und Flucht vor Richard

Seite ..... 104 ..... 6. Eine dramatische Reise
»Die glückliche Bärenfamilie« - Flucht über die russische Grenze
und ein Unfall mit Folgen — Sturm im Skagerrak -
Soziale Verhältnisse eines Künstlers um 1840

Seite ..... 117 ..... 7. Wagner in Paris
Neue Freunde und Leidensgenossen - Meyerbeer und
Maurice Schlesinger - Mystisizierung der Finanznot:
das Debakel am Theatre de la Renaissance - Der )Mythos vom
großen Feind< — Der Mythos vom uneigennützigen Künstler —
Künstlerische Erniedrigung? — Erste Bündelung der Mythos-Stränge:
Der Paris-Mythos - »Der fliegende Holländer« -
Psychischer Wandel in Paris: kreative Hochspannung

Seite ..... 143 ..... 8. "Ich bin Meyerbeer's Schüler«
Die Rückkehr nach Dresden - »Tannhäuser-Inspirationen
am Schreckenstein 一 Proben und Uraufführung des »Rienzi« 一
Cola di Rienzi: das tragische Ende eines politischen Idealisten

Seite ..... 159 ..... 9. Ankunft des »Holländers«?
Der wohlbestallte Hofkapellmeister in Dresden -
Regression und Fortschritt im »Fliegenden Holländer« -
Neues in der Rückwendung

Seite ..... 174 ..... 10. »Tannhäuser«-Jahre
Schulden - Ärger mit den Journalisten - Glanzzeiten —
Publikationsprobleme - Vorbereitung des »Tannhäuser« -
Wagner versus Heine: »Tannhäuser«

Seite ..... 192 ..... 11. Politische Sendung in Dresden: »Lobengrin«
Kompositionsarbeit am »Lohengrin«,Erfahrungen mit Werken
von Gluck und Aischylos - Wagner und seine Mutter -
Aufbruch in die politische Philosophie - »Lohengrin«:
Oper als Paradigma revolutionärer Staatskunst -
Symbol falschen und richtigem Bewusstseins

Seite ..... 219 ..... 12. Revolution als Politik und als Philosophie - die Geburt
des »Rings des Nibelungen«
Alternativen: Revolution - oder Wagner als Berliner
Opernchef! - Die Wibelungen - Der »Nibelungenmythus«
und »Siegfrieds Tod« — Die Französischen Sozialisten - »Jesus
von Nazareth« - Abnützung des Sozialgedankens im Laufe
der Entstehung des Nibelungen-Zyklus - Von der
Instrumentalisierung zur Fälschung

Seite ..... 239 ..... 13. Sieben entscheidende Tage im Leben des Richard Wagner
Revolution und Anarchie: Kunst statt Gesellschaft -
Der zeitliche Ablauf des Dresdener Aufstands -
Wagners Rolle in der Revolte

TEIL ZWEI
Mythos-Werkstatt für das Kunstwerk der Zukunft
Seite ..... 255 ..... 14. Der steckbrieflich gesuchte Flüchtling
Bei Liszt in Weimar - Zürich,Paris - Minna - Der Revolution
zweiter Teil: die Züricher Kunstschriften des Jahres 1849

Seite ..... 272 ..... 15. Eine weitere Reise nach Paris und die Laussot-Affäre
Wieland der Schmied« — Der Schock von Meyerbeers
»Le Prophète« - Amour fou als Motor für das neue Kunstwerk

Seite ..... 289 ..... 16. »Dieser Groll ist meiner Natur so notwendig,
wie Galle dem Blute«
Weimarer Pläne für »Siegfrieds Tod« und »Das Judentum in der
Musik« - Das »verzweifelte Mittel« zur Kunstproduktion -
Vom »Nibelungen-Mythus« zum »Judentum in der Musik« —
Was kritisiert Wagner an den Juden sonst noch? - Kuriosität
oder explosives Bekenntnis? Wie ist »Das Judentum in der
Musik« einzuordnen?

Seite ..... 305 ..... 17. Wie funktioniert das Genie?
Legende und Realität im Schöpferischen - Kreative Gewitter
(»Parsifal«,»Rheingold« - La Spezia) — Komponieren,》ein wahnsinniger
somnambuler Zustand« - Rücksichtsloses Sich-Verzehren in
der Kunst - Die Rolle von >Lưxus< und >Lîebe< - Wagners Wutanfälle -
Die »furchtbaren Bedingungen« der Kunst

Seite ..... 320 ..... 18. Unterwegs zum Musikdrama 一 das Transcendentale
im Leitmotivsystem
Leben in Zürich - Erste Festspielgedanken und Freundesbesuche
- »Oper und Drama«,das Rezept fürs »Kunstwerk der
Zukunft« - Hegels Musikästhetik - Meyerbeer,ein bedeutender
Hegelianer - Wagners Mythos-Theorie - Wagners Vollendung
und Widerspruch der Hegel’schen Musikästhetik - Sprachkritik:
Vokale und Konsonanten - vom Jambus zu freien Rhythmen
und Stabreim - Vom Gedanken zum Ton: Die Entstehung des
Leitmotiv-Konzepts und die Notwendigkeit der Modulation -
Von der transzendentalen Wirkung der Leitmotive - Auf der
Suche nach einem neuen Interpretationsmodell

Seite ..... 345 ..... 19. Mythos versus Gegenmythos
Autobiografik als Selbstinszenierung - Kunst als Korrektiv —
1843: Eine vom Mythos noch freie Skizze - Auf dem Weg zum
Personalmythos: »Eine Mitteilung an meine Freunde« -
Mythisierung der Dresdener Revolution - »Mein Leben«
und die Vollendung des Personalmythos — Von dem einen
Gegner zu den vielen: Der Personalmythos wird zum Nationalmythos-
Der Übergang des Mythos ins Werk - Vom Nutzen
der Widersacher: der Gegenmythos

Seite ..... 358 ..... 20. Zwischenbericht und Ausblick: Von der Romantik
zum transzendentalen Realismus
Transzendenz beim mittleren Wagner: »Lohengrin«-Vorspiel -
Geburtswehen für »Rheingold« — Der erste Schöpfungsakt
des »Ringes« — ein transzendentaler (»Rheingold«־Vorspiel)-
Mit Liszt in Basel und Paris - erste Begegnung mit Cosima

Seite ..... 371 ..... 21. »Rheingold« und der Mythos vom großen Feind
Der Gesang der Rheintöchter - Ein Verbrecherroman
von Göttern und Anti-Göttern - »Rettung ins Ungenaue für
die frühe Bundesrepublik - Genaueres über den Sozialismus -
Die Meta-Ebene in »Rheingold«: über Alberich und Wotan

Seite ..... 386 ..... 22. Schopenhauer, Mathilde Wesendonck und »Die Walküre«
Georg Herwegh und Arthur Schopenhauer - Schopenhauer
und Wagner - Lehrer und Schüler? - Mathilde Wesendonck -
Arthur Schopenhauer und Wagners Psychologie des
Mitleidenden - »Die Walküre«: Albrechts Ring,Inzest und
das Geheimnis des Fluches - Brünnhilde,die Psychologin

Seite ..... 411 ..... 23. "Siegfried": der Mythos des >Eigenen< und des >Fremden<
Londonreise - Zürich: Gottfried Keller,Besuch von Liszt -
»Siegfried«: Das >Eigene< und das >Fremde< - >Untermensch< kontra
>Zukunftsmensch< - Siegfried und Mime: Mordspaß oder
metaphorische Hinrichtung? — Auch Wotans Geschichte geht weiter

Seite ..... 433 ..... 24. »Willig« leiden für »Tristan und Isolde«
Minna, Cosima, Mathilde - Eifersuchtsdramen -
Richard und Mathilde — Die schöpferische Kraft sublimierter Liebe -
Geradewegs in die Katastrophe

Seite ..... 455 ..... 25. Heimatlosigkeit aus innerem Zwang
Venedig - Luzern - »Tristan und Isolde«: Wagners
radikalstes Werk - Die >Dramaturgie der unvollzogenen
Liebe< — Das tödliche Dreieck: Tristan - Isolde - Melot —
Metaphern bilden ihre eigene Sprache

Seite ..... 481 ..... 26. Paris und der »Tannhäuser«-Skandal
Konzerterfolge auf eigene Rechnung - Rossini,Fürstin Pauline
Metternich und die Retterin Kalergis - Der Jockey-Club

Seite ..... 497 ..... 27. « Die Welt ist mir schuldig) was ich brauche!«
Neue und alte Freunde — »Meistersinger«-Ideen 一
Geldsorgen eines deutschen Künstlers - Verwirrung
der Gefühle in Biebrich (Mathilde Maier,Friederike Meyer,
Minna,Cosima) - Flucht aus Wien

TEIL DREI
Die Vollendung des Mythos
Seite ..... 521 ..... 28. Errettung durch einen König
Das Wunder — Cosima - Uraufführung von »Tristan und Isolde« -
Politische Einmischung

Seite ..... 539 ..... 29. Tribschen und «Die Meistersinger υοη Nürnberg«
Minnas Tod - Idyll in Tribschen 一 Eine kulturgeschichtlich
folgenreiche Begegnung: Wagner und Nietzsche -
»Die Meistersinger von Nürnberg«: erste Lesart - Wagners
ästhetische Philosopnie: Von der Kunst,Kunst zu machen —
Die Dialektik von Kunst und Un-Kunst

Seite ..... 559 ..... 30. «Die Meistersinger« und der neu aufflammende Antisemitismus
Die Neuveröffentlichung von »Das Judentum in der Musik« -
»Die Meistersinger von Nürnberg«: zweite Lesart -
Die Uraufführungen von »Rheingold« und »Walküre«

Seite ..... 577 ..... 31. Die Vollendung des »Siegfried«
Über profane Transzendenz in Wagners Musik -
Darstellung des Fremden in anderen Opern
(»La Juive«,»Die Zauberflöte«,»Otello«) — Wie bei Verdi liegt
auch bei Wagner die moralische Entscheidung beim Hörer

Seite ..... 590 ..... 32. Krieg und Frieden: »Götterdämmerung«
Die Reichsgründung 1871 - Erste Brüche in der Freundschaft
mit Nietzsche - Grundsteinlegung des Festspielhauses in Bayreuth
und Deutschlandreise - Das Ende alles Dagewesenen:
»Götterdämmerung« - Liebe und Weltvernichtung: Bilder von
Schöpfung und Zerstörung - Siegfried als Werkzeug
des >Weltgeistes< - Siegfried als Christus-Metapher -
»Wir müssen sterben lernen« - Transzendenz: Bringt Brünnhilde
eine »wahre« Erlösung?

Seite ..... 624 ..... 33. Die ersten Festspiele — ein Finanzdebakel
Die Uraufführung des »Rings« - Alfred Pringsheim und
Angelo Neumann - Italienreise und Bruch mit Nietzsche -
Arbeit,Kinder,Angermann: Wagners Alltag in Bayreuth

Seite ..... 646 ..... 34. Die »letzte Karte«
Italienreise - Aufführung des »Rings« in Leipzig und Berlin -
Judith Gautier - Opportunistisches Doppelspiel gegenüber
den Juden - Die Religion der kulturellen Regeneration als
Heilmittel gegen die Moderne - Begegnungen mit
dem Rasentheoretiker Arthur Gobineau -
Vorbereitung und Uraufführung des »Parsifal«,
Konstruktion der Gralsglocken

Seite ..... 668 ..... 35. "Parsifal" — ein europäisches Projekt
Ein Bühnenweihfestspiel - Vom deutschen zum europäischen
Mythos - Mitleid,Erbarmen und Unbarmherzigkeit -
Ist Wagner ein Christ? - Gebete in der Familie Wagner -
Über die Unbarmherzigkeit - »Parsifal«: die Kunst
der Gegensätze — Doppelwesen Kundry: Herodias,die Jüdin -
Gundryggia, die nordische Walküre - Akt II - Akt III -
Vom Verlust und Wiedergewinn der Intuition - Musik als
transzendierende Kraft und als Trägerin philosophischer
Substanz - »Das Andre« im »Parsifal« - Die Ästhetisierung des
>Bösen< - Der »erlöste Erlöser« - Musik: die Sprache vor
und nach der Sprache

Seite ..... 724 ..... 36. Morte a Venezia
Der finanzielle Durchbruch - Die Feinde verblassen - Abschied

Seite ..... 738 ..... Summa summarum
Seite ..... 752 ..... Dank
Seite ..... 753 ..... Bildnachweise
Seite ..... 754 ..... Anmerkungen und Literaturhinweise
Seite ..... 821 ..... Namensregister

Zum Inhalt:

Nach heutigen Maßstäben hätte Wagner spätestens 1855 mit den Erfolgen von Rienzi und Lohengrin finanziell ausgesorgt haben müssen. Statt dessen musste er Bettelbriefe schreiben und Mäzene suchen, wegen seiner Sucht nach Luxus, aber auch, weil das frühe 19. Jahrhundert ernsthafte Komponisten schlechter entlohnte als spektakuläre Virtuosen. Wagner gelang es, um sich und sein Schaffen einen Mythos zu kreieren, der ihm neue finanzielle - und künstlerische - Möglichkeiten eröffnete.

Zu diesem Mythos gehörte, dass Richard Wagner als deutscher Künstler von der jüdischen Presse ungerecht behandelt, von dem jüdischen Komponisten Meyerbeer getäuscht und von dem jüdischen Musikverleger Schlesinger ausgebeutet wurde - faustdicke Lügen, wie Drüner aus den Quellen zeigt. So wie Luxus, Seide und Parfüms, weibliche Zuneigung, tiefe Freundschaften (Nietzsche, Liszt) brauchte Wagner zum Komponieren sehr lange diesen antisemitischen Impuls. Zu seiner Selbstinszenierung gehörte auch das Rezitieren und Deklamieren seiner Dichtung im engsten Kreise, woraus er die Sprachmelodie und die Inspiration gewann. Diese Biografie zeigt, wie Wagner nicht nur als Komponist, Regisseur und Dirigent wegweisend wirkte, sondern auch das Berufsbild des sich immer wieder neu erfindenden Intellektuellen in Deutschland maßgebend prägte.

Über den Autor und weitere Mitwirkende:
Ulrich Drüner, 1943 in Frankreich geboren, hat 1963 bis 1969 Musik und Musikwissenschaft studiert und 1987 über Richard Wagner promoviert. Er war Bratschist im Stuttgarter Kammerorchester und im Orchester der Staatsoper Stuttgart, wo er bei zahlreichen hochrangigen Wagner-Aufführungen mitwirkte. 1983 hat er ein Musikantiquariat gegründet. Ulrich Drüner hat mehrfach an Rundfunk- und Fernsehproduktionen über Wagner mitgewirkt und eine Reihe von Büchern verfasst. Zuletzt erschienen Mozarts Große Reise 1777-1779 (2006) und Musik und Drittes Reich (2012).

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