Hinweg aus Deutschland gehöre ich. Der Europäer Richard Wagner, unter Deutschen ein Missverständnis - Dieter David Scholz - 2010


Dieter David Scholz

Hinweg aus Deutschland gehöre ich.
Der Europäer Richard Wagner, unter Deutschen ein Missverstä
ndnis


Verlag: mvs-verlag, Büdingen,
Umfang: Broschiert, 48 Seiten
ISBN 978-3-9812972-2-5
Erschienen: 2010


Zum Inhalt
(Klappentext):

Zweifellos war es Friedrich Nietzsche, der den Künstler Richard Wagner und dessen Werk zuerst als europäisches Ereignis wahrnahm. Thomas Mann und Hans Mayer folgten ihm später hierin – ebenfalls lange bevor die monumentalen Ausgaben der Briefe Richard Wagners (1967 ff.) sowie seiner kompositorischen Werke (1970 ff.) zu erscheinen begannen und die Tagebücher Cosima Wagners kritisch ediert waren (1976).
In den Jahrzehnten seither hat nicht nur die Biographik zu angemesseneren Einschätzungen der vertrackten Zusammenhänge in Wagners turbulentem Künstlerdasein geführt, als dies je zuvor der Fall war, sondern auch die literarische und szenische Rezeption seiner Bühnenwerke erreichte endlich ein Niveau, das ihrer Komplexität nahekommt. Aber: Trotz aller Rehabilitationen und Richtigstellungen – Wagner, der Europäer, ist weiterhin ein Unbekannter geblieben.

Der Text des vorliegenden Buches entspricht einem Vortrag, den David Dieter Scholz, eingeladen vom Richard Wagner-Verband München, am 12. Juni 2010 im Künstlerhaus am Lenbachplatz gehalten hat.

Den Europäer Wagner spürt der Verfasser auf in dessen äußerlichen Lebensaktivitäten – dem permanenten Unterwegssein des Künstlers –, seinen Selbstzeugnissen – Briefen, autobiographischen Arbeiten, den Tagebüchern Cosimas –, theoretischen Schriften, den Stoffen, derer er sich annahm – sowohl in seinen „kanonisierten“, als auch in den kaum bekannten Werken („Die Feen“, „Das Liebesverbot“) und nicht realisierten Projekten (z. B. „Die Sieger“).
Erstaunliches Fazit: Wagner wurde nicht irgendwie und erst allmählich zum Europäer, sondern war es „von Anfang an“ – schon der 21-Jährige hatte klare, transnationale Ambitionen und verfolgte sie bis zum Lebensende.
Was Scholz sichtbar macht, ist mehr und Anderes als Nietzsche, Thomas Mann und Hans Mayer im Auge hatten. Bei alledem wird nicht versäumt, auch das signifikant Undeutsche zu dokumentieren, das Wagners Wesen kennzeichnet. Genauer: Sein tatsächliches Format.
Es wäre viel gewonnen, wenn die vorliegende Vortragsedition dazu beitrüge, landesübliche Engstirnigkeiten zu überwinden und eingefahrene Fehlurteile zu revidieren.

Zum Autor:

Dr. Dieter David Scholz, geboren in Lindau (Bodensee), aufgewachsen im nahen Nonnen-horn, erste Schulzeit in Kairo/Ägypten, Studium der Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte u.a. in Bonn. Promotion 1992 bei Peter Wapnewski in Berlin über „Richard Wagners Antisemitismus“. Zwischenzeitlich erste Gehversuche beim Bayerischen Rundfunk (Volontariat). Seit 1985 journalistische Existenz im damals noch eingemauerten, aber freien „West“-Berlin. Reüssierte im SFB (u.a. „Klassik zum Frühstück“) als Hörfunk-journalist. Zeitweise rege Tätigkeit in der Tagespresse (Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT u.a.). Seither fester freier Mitarbeiter (Redakteur, Moderator, Journalist) im MDR. Korrespondent (internationales Opernleben, Musikfestspiele etc.), Kritiker, Journalist für die meisten ARD-Rundfunkanstalten (ORB, NDR, WDR, SWR, BR, MDR, DW, SWR, RBB). Tätig aber auch für die Fachpresse („Opernwelt“, „FonoForum“, „Das Orchester“, „Neue Zeitschrift für Musik“ u.a.) als Autor und Musikjournalist, Rezensent kulturhistorischer und Musikliteratur, und als „Spezialist“ in Sachen Musiktheater, vor allem Richard Wagner. Regelmäßige Vorträge, Livemoderationen, Roundtable-Diskussionen, Künstler-Gespräche und Talkshows vor Publikum. Mitglied im künstlerischen Beirat der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt Jurymitglied der Opernwelt-Kritikerumfrage Jurymitglied des Preises der Deutschen Schallplattenkritik Publikationen: „Richard Wagners Antisemitismus“ (Neuauflage 2000). „Ein deutsches Mißverständnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla“ (1997) und „Mythos Primadonna. 25 Diven widerlegen ein Klischee“ (1999), „ ‚Kinder! schafft Neues!‘ – 125 Jahre Bayreuther Festspiele, 50 Jahre Neubayreuth“ (2001), „Mythos Maestro“ (2002), alle im Berliner Parthas Verlag. In Arbeit: "Richard Wagner. Biographie eines Europäers" (2005). Diverse Programmheftbeiträge für verschiedene Opernhäuser im In- und Ausland.

Zur Imformation:

von Frank Piontek: Ein Europäer in Biebrich
Zwei Wagner-Bücher aus dem mvs-Verlag

1991 veröffentlichte er ein kleines, aber wertvolles, leider längst vergriffenes Buch: Richard Wagner. Ein Reiseführer. Ich nehme es oft in die Hand, wenn ich mich über die Orte informieren will, die Wagner aufsuchte, an denen er lebte. Wie sahen sie damals, wie sehen sie heute aus? Auch Biebrich und Mainz erscheinen in diesem Buch – und nun hat sich der damalige Photograph und Autor Michael von Soden daran gemacht, die Rheingau-Episode in einem neuen, wieder schön gemachten Buch näher zu beleuchten.
Er ist dafür unter die Verleger gegangen; als Chef des neu gegründeten Verlags mvs steht er in der Premierenwoche, d.h. in der Wagnerbuchvorstellungswoche der Markgrafen-Buchhandlung vor interessiertem Publikum seinen Mann: als Autor, Photograph und Herausgeber. Kann man eigentlich noch Neues, kann man ungehobene Schätze ans Licht bringen? Ist der ganze Wagner nicht schon erforscht, publiziert, bearbeitet? Mitnichten! Von Soden entdeckte mehrere Dokumente im Freien Deutschen Hochstift Frankfurt, das dem Meister im Juli 1862 den Meistertitel verlieh. „Wuchtige Worte der Würdigung!“, sagt er und hält die Großreproduktion der Urkunde hoch. Das Buch ist relativ schmal, aber ergiebig - „da ist überhaupt keine Luft drin. Das hat alles Bedeutung“. Natürlich müsse die (Biebricher und Frankfurter) Wagner-Geschichte nicht neu geschrieben werden, aber es kommt wie immer auf die farbigen Nuancen, die „Kleinigkeiten“ an – bis zur hübschen Anekdote, derzufolge sich das Bayreuther Festspielorchester einmal derart mit Hattenheimer Wein zudröhnte, dass der Kater am nächsten Morgen ein allgemeiner war.
Wagner blieb auch in Biebrich ein Europäer. So muss man Dieter David Scholz verstehen, den Publizisten und Opernkritiker, der seit vielen Jahren über Wagner schreibt und letztens – basierend auf seiner Wagnerbiographie - in einem Vortrag Wagners europäischen Lebensweg konzis zusammenfasste. Herr von Soden hat den Text zum Druck befördert; er mag als kleine Granate im Kampf gegen all die Wagnerapologeten und -gegner dienen, die in Wagner einen treudeutschen Konservativen sehen. „Unter Deutsche war Wagner ein Missverständnis“, das meinte schon Nietzsche, der wusste, dass Wagner im Grunde ein heimatloser Weltenbummler war, der seine Stoffe am allerwenigsten aus deutschen Landen bezog. Das antike Griechenland, die Opernstadt Paris, das antideutsche Gegenmittel Italien, die Schweiz als Produktionsort – Wagners Himmelsrichtungen unterlagen nicht dem Zufall, sondern der Sehnsucht, Deutschland zu fliehen, um sich ein ideales Deutschland zu erträumen. „Wagner war kein Bayreuther“, auch kein Biebricher (auch wenn er dort längere Zeit wohnte) – aber in Bayreuth hat er, auch durch die spannende Buchpremierenwoche der Markgrafen-Buchhandlung, eine Art von Heimat gefunden.

Info
Michael von Soden: Empfänger unbekannt verzogen. Richard Wagner im Rhein-Main-Gebiet. mvs Verlag.
Dieter David Scholz: „Hinweg aus Deutschland gehöre ich“. Der Europäer Richard Wagner, unter Deutschen ein Missverständnis. mvs Verlag.



Für weitere Informationen, bitte hier klicken: http://www.mvs-verlag.de/stores/contact/

Teilen: