Empfänger unbekannt verzogen, Richard Wagner im Rhein-Main-Gebiet - Michael von Soden - 2009


Michael von Soden

Empfänger unbekannt verzogen
Richard Wagner im Rhein-Main-Gebiet



Verlag: mvs-verlag, Büdingen,

Einband: Halbleinen, fadengeheftet,
Umfang: 72 Seiten mit vielen Abbildungen
ISBN 978-3-9812972-1-8
Erschienen: 1., Aufl. (20. November 2009)


Zum Inhalt:

Es ist erstaunlich, dass sich noch immer, mehr als 125 Jahre nach dem Tod Richard Wagners und trotz der seither geleisteten Forschungsarbeit sowie unermesslich vieler Bücher, die über diesen Künstler geschrieben wurden, Primärquellen ans Licht bringen lassen, die bisher unbemerkt oder unbeachtet blieben. Zu erklären ist das wohl nur damit, dass nicht immer genau genug hingesehen und manche Frage gar nicht erst gestellt wird.
Von Februar bis November 1862 hielt Richard Wagner sich im Rhein-Main-Gebiet auf. Das Epizentrum seiner Aktivitäten war Biebrich. Hier hat Wagner rezitiert, komponiert, musiziert, korrespondiert, Gäste empfangen, Modell für ein Bildnis gestanden, die Folgen eines Hundebisses ertragen und Verbindungen geknüpft. Von hier aus besuchte er Theateraufführungen in den umliegenden Städten und erkundete die Gegend.
Das Buch nimmt Wagners Lebensspuren auf, als die Komposition seiner »Meistersinger« in den allerersten Anfängen steckte. Es dürfte zugleich mannigfache Anregungen geben, sich bei Gelegenheit aufzumachen zu schönen Stätten im Rhein-Main-Gebiet, an die Wagner, erfüllt von dem Verlangen, endlich, nach mehr als zehnjährigem Exil, auf deutschem Boden wieder Fuß zu fassen, für träumerische Momente sein Herz gehängt hatt

Zum Autor:

Michael von Soden wurde 1946 in Hamburg geboren, studierte dort und in Frankfurt a. Main Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie und lebt heute in Büdingen. Als freier Autor ist er mit etlichen Veröffentlichungen über Richard Wagner hervorgetreten, darunter Handlexikon Richard Wagner (mit Martin Gregor-Dellin), kommentierte Aus gaben von Wagners »Feen«, »Lohengrin«, »Die Meistersinger von Nürnberg« und »Parsifal« (Suhrkamp/Insel). 2009 gründete er den mvs verlag.

Presse - darmstädter echo 5.März 2010:
Kaum bekannt ist, trotz umfassender Forschungen, dass sich der Komponist Richard Wagner von Februar bis November 1862 im Rhein-Main-Gebiet aufhielt, vor allem in Biebrich bei Wiesbaden; denn Wagner liebte eher stille als umtriebige Orte. Bisher ist noch niemand auf die Idee gekommen, hier auf Spurensuche zu gehen, obwohl der Verleger Schott in Mainz residierte, wo Wagner aus seinen „Meistersingern“ vorlas. Michael von Soden hat sich auf Spurensuche begeben in seinem Buch „Empfänger unbekannt verzogen. RichardWagner im Rhein-Main-Gebiet“. Er ist fündig geworden und hat einiges in dem kleinen Bändchen zutage gefördert und dazu noch reichwie anschaulich bebildert.
Schon damals hat Wagner die gute Anbindung in der Rhein-Main-Region geschätzt und lobt besonders das (von Moller erbaute) Theater inMainz, wenn er seiner damaligen Frau Minna schreibt: „In 10 Minuten bin ich mit dem Dampfschiff in Mainz, wo (...) ein ganz passables, äußerlich so gar sehr großartiges Theater einiges Interesse bietet (...). In 10 Minuten bin ich inWiesbaden, wo Sommer und Winter gutes Theater ist (...). In 5 Viertelstunden in Frankfurt. In¾Stunden in Darmstadt. In 1 ½ Stunden in Mannheim. (Alles bedeutende Theater.)“ WieWagner, der immer knapp bei Kasse war, in eine Schuldenfalle geriet, erzählt Soden nicht ohne Ironie: Der Hund Leo seines Vermieters in Biebrich hat Wagner in den rechten Daumen gebissen, so dass er nicht mehr schreiben konnte. Der Verleger Schott stellte darauf hin die Vorauszahlungen ein. Selbst die "Wesendonk-Lieder“ konnten den Notenverleger nicht umstimmen, während Hans von Bülow am Flügel die Lieder anstimmte und Cosima, damals noch Bülows Frau, in Tränen schwamm. Hier deutet sich bereits an, dass Cosima dem Komponisten regelrecht verfallen sollte. In der Biebricher Zeit begannen tatsächlich die ersten Annäherungen zwischen Cosima und Richard Wagner. hz

Zur Imformation:

von Frank Piontek: Ein Europäer in Biebrich
Zwei Wagner-Bücher aus dem mvs-Verlag


1991 veröffentlichte er ein kleines, aber wertvolles, leider längst vergriffenes Buch: Richard Wagner. Ein Reiseführer. Ich nehme es oft in die Hand, wenn ich mich über die Orte informieren will, die Wagner aufsuchte, an denen er lebte. Wie sahen sie damals, wie sehen sie heute aus? Auch Biebrich und Mainz erscheinen in diesem Buch – und nun hat sich der damalige Photograph und Autor Michael von Soden daran gemacht, die Rheingau-Episode in einem neuen, wieder schön gemachten Buch näher zu beleuchten.
Er ist dafür unter die Verleger gegangen; als Chef des neu gegründeten Verlags mvs steht er in der Premierenwoche, d.h. in der Wagnerbuchvorstellungswoche der Markgrafen-Buchhandlung vor interessiertem Publikum seinen Mann: als Autor, Photograph und Herausgeber. Kann man eigentlich noch Neues, kann man ungehobene Schätze ans Licht bringen? Ist der ganze Wagner nicht schon erforscht, publiziert, bearbeitet? Mitnichten! Von Soden entdeckte mehrere Dokumente im Freien Deutschen Hochstift Frankfurt, das dem Meister im Juli 1862 den Meistertitel verlieh. „Wuchtige Worte der Würdigung!“, sagt er und hält die Großreproduktion der Urkunde hoch. Das Buch ist relativ schmal, aber ergiebig - „da ist überhaupt keine Luft drin. Das hat alles Bedeutung“. Natürlich müsse die (Biebricher und Frankfurter) Wagner-Geschichte nicht neu geschrieben werden, aber es kommt wie immer auf die farbigen Nuancen, die „Kleinigkeiten“ an – bis zur hübschen Anekdote, derzufolge sich das Bayreuther Festspielorchester einmal derart mit Hattenheimer Wein zudröhnte, dass der Kater am nächsten Morgen ein allgemeiner war.
Wagner blieb auch in Biebrich ein Europäer. So muss man Dieter David Scholz verstehen, den Publizisten und Opernkritiker, der seit vielen Jahren über Wagner schreibt und letztens – basierend auf seiner Wagnerbiographie - in einem Vortrag Wagners europäischen Lebensweg konzis zusammenfasste. Herr von Soden hat den Text zum Druck befördert; er mag als kleine Granate im Kampf gegen all die Wagnerapologeten und -gegner dienen, die in Wagner einen treudeutschen Konservativen sehen. „Unter Deutsche war Wagner ein Missverständnis“, das meinte schon Nietzsche, der wusste, dass Wagner im Grunde ein heimatloser Weltenbummler war, der seine Stoffe am allerwenigsten aus deutschen Landen bezog. Das antike Griechenland, die Opernstadt Paris, das antideutsche Gegenmittel Italien, die Schweiz als Produktionsort – Wagners Himmelsrichtungen unterlagen nicht dem Zufall, sondern der Sehnsucht, Deutschland zu fliehen, um sich ein ideales Deutschland zu erträumen. „Wagner war kein Bayreuther“, auch kein Biebricher (auch wenn er dort längere Zeit wohnte) – aber in Bayreuth hat er, auch durch die spannende Buchpremierenwoche der Markgrafen-Buchhandlung, eine Art von Heimat gefunden.

Info
Michael von Soden: Empfänger unbekannt verzogen. Richard Wagner im Rhein-Main-Gebiet. mvs Verlag.
Dieter David Scholz: „Hinweg aus Deutschland gehöre ich“. Der Europäer Richard Wagner, unter Deutschen ein Missverständnis. mvs Verlag.

Für weitere Informationen, bitte hier klicken: www.mvs-verlag.de

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