Lohengrin - München 1963 - Hans Knappertsbusch

Richard Wagner  (1813 - 1883)

Lohengrin

Live-Gesamtaufnahme München,
Prinzregententheater 2. September 1963

Dirigent: Hans Knappertsbusch
Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper


Orfeo, 3 CDs, ADD/LA, 1963
Booklet: dtsch., engl.
Spieldauer: 3h 28min

Besetzung:

Heinrich der Vogler, deutscher König (Bass) - Kurt Böhme
Lohengrin (Tenor) - Hans Hopf
Elsa von Brabant (Sopran) - Ingrid Bjoner
Friedrich von Telramund, brabantischer Graf (Bariton) - Hans Günther Nöcker
Ortrud, Telramunds Gemahlin (Mezzosopran) - Astrid Varnay
Der Heerrufer des Königs (Bariton) - Josef Metternich
Vier brabantische Edle - Heinrich Weber, Martin Meier, Hans-Bruno Ernst, Eberhard
Georgi
Edelknaben - Monika Kienzl, Jutta Goll, Heidi Vicari, Brigitte Fassbaender

Zum Inhalt:

Dieses ist eigentlich der Glücksfall, von dem Sammler und Produzenten träumen: nicht nur das Auftauchen einer bisher unbekannten bzw. nicht veröffentlichten Aufführung der x-ten Aufnahme desselben Werkes eines gefragten Interpreten, sondern die Erstveröffentlichung einer echten Repertoire-Premiere dieses Künstlers. Gerade bei den größten Interpreten und insbesondere der Wagner-Werke gehört das Gefühl der schmerzlichen Lücke sozusagen fest zum Bild – kein Parsifal von Furtwängler (obwohl er ihn nach dem Krieg an der Scala dirigierte) und auch keine frühen Wagner-Opern von diesem Knappertsbusch Rivalen, aber bei beiden sehnsüchtig machende Ausschnitte der fehlenden Gesamtaufnahmen. Natürlich wusste man, wissen die Kenner, dass die Wagner-Koryphäe Knappertsbusch nicht nur immer wieder die schweren Spätwerke dirigierte (soeben erschienen auf diesem Label im obigen Sinn die Meistersinger von 1960 aus Bayreuth), sondern auch den Holländer, und daneben einem Faible für Werke der leichteren Muse wie Komzák oder Lortzing frönte. Aber wer hätte geahnt, daß er den Lohengrin in München nach dem Krieg nicht nur 16 Mal dirigierte, sondern davon auch eine Aufnahme existiert? Nach den lustigen Weibern von Windsor ist diese somit die zweite Erstveröffentlichung, die sich ORFEO freut präsentieren zu können, beide entstammen der Prinzregententheater-Periode, der Lohengrin kurz vor der Wiedereröffnung des Nationaltheaters 1963. Es mag ein wenig Stolz der Wagner-Stadt München mitschwingen, daß der Elberfelder Wahl-Münchner den Lohengrin hier, aber nie in Bayreuth dirigierte. Eine Aufnahmen-Premiere ist die Veröffentlichung auch für den Titelhelden Hans Hopf, von dem bisher kein Klangdokument der Rolle existierte. Ihm steht gegenüber bzw. zur Seite das hochdramatische Paar der gewaltigen, für die Ortrud prädestinierten Astrid Varnay und der 35-jährigen Wagner-Größe Ingrid Bjoner – von ihr ist dies die einzige vollständig dokumentierte Wagner-Partie aus München, obwohl sie hier jahrelang zum Ensemble gehörte (und dies so souverän, daß sie noch 1986 in Bayreuth als Isolde einsprang). Neben Kurt Böhme als König Heinrich sticht des Weiteren als bezeichnend für die damalige Ensemblequalität der mit Josef Metternich geradezu luxuriös besetzte Heerufer heraus. Der Aufnahme liegt keine Rundfunkübertragung zugrunde, sondern sie entstammt dem Archiv des stellvertretenden Intendanten der Bayerischen Staatsoper jener Zeit, Herbert List, und wurde mit heutigen technischen Möglichkeiten sorgfältig aufgearbeitet. Bereichert wird die Edition nicht zuletzt durch einen anregenden Text über die damalige Münchner Musikszene. Sogar mit dem damals mitwirkenden Telramund Hans Günter Nöcker wurde Kontakt aufgenommen. Die Opernwelt jener Jahre wird lebendig vor Augen geführt, sowohl hinsichtlich der musikalischen Leistung, als auch in der Art und Weise, wie die besprochene Produktion geschickt in den schillernd abweichenden Meinungen der damals maßgeblichen Kritiker hervortreten gelassen wird.

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