Christian Thielemann - Orchesterstücke


Richard Wagner  (1813 - 1883)

Orchesterstücke

Christian Thielemann dirigiert
Orchesterstücke aus Rienzi, Lohengrin, Tannhäuser, Götterdämerung, Parsifal, Tristan und Isolde, Meistersinger

Dirigent: Christian Thielemann
Orchester der Deutschen Oper Berlin



Orfeo, 2 CDs, DDD, 2004
Spieldauer: 1h 40min


Inhalt:

CD 1:


R. Wagner: Rienzi (Ouvertüre)
R. Wagner: Lohengrin (Vorspiel zum 1. Aufzug)
R. Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg WWV 70
R. Wagner: Siegfrieds Rheinfahrt (aus: Götterdämmerung)
R. Wagner: Siegfrieds Trauermarsch (aus: Götterdämmerung)

CD 2:

R. Wagner: Karfreitagszauber (aus: Parsifal)
R. Wagner: Tristan und Isolde (Vorspiel zum 1. Aufzug)
R. Wagner: Isoldes Liebestod (aus: Tristan und Isolde)
R. Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Vorspiel zum 1. Aufzug)

Zur Doppel-CD:

Wie die Zeit vergeht: Schon dreizehn Jahre ist es her, dass Christian Thielemann im Jahr 2000 mit den Meistersingern seinen viel umjubelten Einstand auf dem Grünen Hügel gegeben hat. Dass im Festspielhaus ausgerechnet dieses (von Wagner selbst ja nicht für die Bayreuther Klangverhältnisse konzipierte) Stück kontrapunktisch dermaßen durchhörbar dirigiert werden kann, war für Publikum und Presse eine gleichermaßen verblüffende wie begeisternde Erfahrung.
Christian Thielemann und seinem Einspringen im Parsifal nur ein Jahr später – mit überlegener Ruhe und doch fließend, dem Sängerensemble Raum zum Atmen gebend musiziert – bestätigte sich der vorherrschende Eindruck, dass wohl kaum ein Dirigent einen so selbstverständlich anmutenden Zugang zu Wagners Œuvre und den besonderen Herausforderungen jedes einzelnen Musikdramas gefunden hat. Spätestens der Tannhäuser-Premiere 2002 konnte Thielemann (auch durch die Mitgestaltung der Sängerbesetzungen) vollends seinen Stempel aufdrücken. Nach der musikalischen Einstudierung und Leitung des Rings 2006–2010 und, seit dem letzten Jahr, des Fliegenden Holländers hat er den Kreis der „Bayreuther Zehn“ bis auf Lohengrin und Tristan ausgeschritten – müßig zu erwähnen, dass er außerhalb Bayreuths mit diesen beiden Stücken bereits des Öfteren Furore gemacht hat; mit Lohengrin beispielsweise jüngst an seiner neuesten Wirkungsstätte, der Dresdner Semperoper, als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle.
In seiner Heimatstadt Berlin, dort, wo er ab 1997 sieben Jahre lang den Posten des Generalmusikdirektors an der Deutschen Oper innehatte, hat er den Bayreuther Kanon komplett geleitet; angefangen mit dem Tristan, der überhaupt ein Schlüsselwerk für seine internationalen Erfolge war, von Hamburg und Nürnberg (wo er erstmals GMD wurde) über Bologna bis an die Wiener Staatsoper. Ebenfalls in Wien, im Musikverein stattgefunden und aufgezeichnet wurde 2004 ein nun bei Orfeo auf CD erscheinendes Konzert mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, das mehr als eine Zwischenbilanz von Thielemanns bereits damals profunder Wagner-Erfahrung darstellt: Lohengrin und Tristan-Vorspiel sowie der Liebestod standen dabei genauso auf dem Programm wie der Karfreitagszauber aus Parsifal, wobei dort wie hier das Fehlen der jeweiligen Vokalpartien durch das große Spektrum an orchestralen Farben mindestens aufgewogen wurde. Bereits in der Zusammenarbeit mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin hat Thielemann jene charakteristischen Klangmischungen kultiviert, mit denen er weit über Wagner hinaus die großen musikdramatischen und symphonischen Werke der deutschen Musikliteratur von Beethoven, Marschner, Bruckner, Pfitzner oder Strauss in größter Leucht- und Strahlkraft erklingen lässt. Aus demselben Grund wirken Zwischenspiele wie Siegfrieds Rheinfahrt oder der Trauermarsch aus der Götterdämmerung (auch im Konzert) allem Bombast zum Trotz unter Thielemann niemals klotzig oder grobschlächtig. Ähnlich wie sie werden die Tannhäuser-Ouvertüre und das Meistersinger-Vorspiel (wie bereits im Zusammenhang mit den Bayreuther Dirigaten skizziert) abgesehen von Thielemanns kluger Berücksichtigung des Aufbaus und des Verlaufs der Orchesterstimmen, vor allem durch seine unbändige Lust an dynamischen Steigerungen vom feinsten Pianissimo zum gewaltigsten Fortissimo sowie an überrumpelnden Temporückungen und Rubato-Effekten belebt. Sie bleiben gleichwohl stets wohlbegründet im musikalischen Gesamtzusammenhang. Sogar die eher oberflächlich effektvolle Ouvertüre zu Rienzi besticht durch Elan und Raffinesse. Der Schritt, dem ganzen Fünfakter unter Thielemann im Sommer 2013 auf den die Festival-Saison ergänzenden Spielplan zu setzen, leuchtet mit der Referenz jenes Konzertes umso stärker ein. Wer sonst, wenn nicht er, sollte von dieser Großen Oper einen positiven Gesamteindruck ermöglichen können?

Teilen: