DVD We Want The Light


We Want The Light -
Ein Christopher Nupen Film

Opus Arte/Naxos 2 DVDs

Spielzeit:330 Min.
60 Min. (Film), 240 Min. (Interviews/ Musik)

Sound:DSS 5.1;
Bild:WS;
Sub:D,E,F,Sp;

Dirigent: Ashkenazy, Barenboim
Gürzenich Orchester, Israel PO, 
Jacqueline du Pre, Ashkenazy, Kosi, Opernchor Köln,

Interviews mit Kissin, Ashkenazy, Mehta, Perlman, Zukerman u.a.

Der Film thematisiert vieles: Es geht um Freiheit und Unterdrückung, um Emanzipation, Anpassung und Assimilation.
Es geht um die Rolle, die Moses und Felix Mendelssohn in dem Traum einer unproblemantischen Integration der Juden in die
deutsche Gesellschaft gespielt haben, es geht um Richard Wagner, um sein aggressives antisemitisches Essay "Das Judentum in der Musik" und seinen Einfluss auf die Ideologie des Dritten Reiches. Doch vor allem geht es in
diesem Film um die Bedeutung, die Musik auch in einer schrecklichen Situation - oder gerade in einer schrecklichen Situation - für den Menschen einnehmen kann.

Musik aus:

Mahler: 1.Satz aus der Symphonie Nr. 9
Bach: Matthäus-Passion (Ausz.);Messe h-moll (Ausz.)
Schönberg: Verklärte Nacht (Ausz.)
Bruch: Kol Nidrei (Ausz.)
Schumann: Märchenbilder Nr. 2 & 4
Mendelssohn: Elias (Ausz.)
Wagner: Auszüge aus Götterdämmerung, Meistersinger, Parsifal
Bloch / Kindler: Meditation Hebraique (Ausz.)
Waxman: The Song of Terezin (Ausz.)

Christopher Nupen ist in diesem Film dem Verhältnis von Deutschen und Juden in der Folge des Terrors und der Vernichtung durch die Nationalsozialisten im 20. Jahrhunderts nachgegangen. Wie sehen die jüdischen Künstler heute ihr Verhältnis zur Musik deutscher Komponisten, speziell zu Wagner? Welche Rolle spielten Moses und Felix Mendelssohn für die Integration der Juden in die deutsche Gesellschaft? Christopher Nupen versteht es, dieses Thema auf eindrucksvolle Weise in seinen Film zu bannen, geprägt von Aussagen verschiedener jüdischer Musiker, darunter einiger, die die Konzentrationslager von Auschwitz und Theresienstadt überlebt haben. "We want the Ligth", diese Worte aus einem Gedicht der 12-jährigen Eva Pickova aus dem Konzentrationslager Theresienstadt wurde zur Leitidee der Dramaturgie. Dank der Aura der Musik, die Zeit zum Nachdenken gibt und gleichzeitig Trost spendet, kann sich der Zuschauer dem Thema wirklich öffnen. Christopher Nupen arbeitet sehr gezielt mit den emotionalen Kräften aller Einzelelemente, und fügt im Anschluss an den Film das Material mit Interviews sowie die einzelnen Musikausschnitte noch einmal als Dokumentation hinzu.

Die Musik wirkt auch dort weiter, wo Worte fehlen. Dieser Film, diese Interviews sind großartige Beiträge zum deutsch-jüdischen Dialog. Ohne Anklage. Hier begegnet der Zuschauer Menschen, sehr direkt. Sie sitzen ihm quasi gegenüber. Der Film sucht keine wissenschaftlich-soziologische Auseinandersetzung, sondern findet eine menschlich-emotionale Basis in den Erlebnissen und Gedanken der Musiker für ein gegenseitiges Verständnis zwischen Deutschen und Juden. Einige Sätze gehen dem Zuschauer noch tagelang im Kopf herum. Wenn die Künstler von der Macht und vom unergründlichen Mysterium der Musik sprechen. Alice Sommer Herz legt dem Zuschauer mit Schuberts Impromptu As-Dur die Essenz dieses Films ans Herz, sie hat einen Weg in die Zukunft ohne Hass gefunden. "Wenn man gewusst hat, man spielt abends, dann war man glücklich ... Wenn wir gespielt haben, war es wie ein Gottesdienst oder so etwas. Da war man nahe dem Göttlichen. Wir, und ebenso die Zuhörer."

Kritik:
FonoForum 06 / 05:
"Ein komplexes Sujet, dessen Stränge auf differenzierte Wiese aufgedröselt werden, allerdings nie lehrmeisterlich, sondern empirisch. Kunstvoll - sowohl thematisch als auch in der Verknüpfung von Wort und Musik - entwickelt Nupen ein szenisches Geflecht, an dessen Knotenpunkten die Musikgeschichte um Mendelssohn und Wagner verhandelt wird. Über eine Dauer von mehr als fünf Stunden beweisen die beiden DVDs, dass Musik und Dokumentation nicht als separate Disziplin aufgefasst werden müssen und dass ihre Verzahnung durchaus ein Gleichgewicht von Atmosphärischem und inhaltlicher Aussagekraft ermöglichen kann."

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