DVD Opera Fest - Galakonzert Zürich 1984


Opera Fest

Galakonzert - aus dem Opernhaus Zürich

1. Dezember 1984

Vokalrecitals (Lieder und Arien)


VAI 1 DVD - 92 Minuten

Sound:stereo;
Bild:3:3;
Color, Stereo, Region 0, English, German, French, Italian subtitles


Komponisten - Arien - Besetzung:

Wagner: TANNHÄUSER - Dich, teure Halle
Gwyneth Jones
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ferdinand Leitner

Offenbach: LES CONTES D’HOFFMANN - Chanson de Kleinzach
Alfredo Kraus, Peter Straka
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Gounod: FAUST - Jewel Song
Sona Ghazarian
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Donizetti: DON PASQUALE - Cheti, cheti immantinente
Thomas Hampson, Günther von Kannen
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Verdi: UN BALLO IN MASCHERA - Ma dall’arido stelo
Mara Zampieri
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Bizet: CARMEN - Act IV
Doris Soffel, José Carreras, Robert Hale
Ruth Rohner, Helrun Gardow
The Children’s Chorus, Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Rossini: IL BARBIERE DI SIVIGLIA - La calunnia
Nicolai Ghiaurov
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Dvorak: RUSALKA - Song to the Moon
Lucia Popp
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Tchaikovsky: EUGENE ONEGIN - Tatiana’s Letter Scene
Mirella Freni
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Mozart: DIE ZAUBERFLÖTE - Der Vogelfänger; Papagena! – Papageno!
Christian Boesch, Dorothea Wirtz
Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ferdinand Leitner

Strauss: DIE FLEDERMAUS - Brüderlein und Schwesterlein2
The Ensemble Chorus and Orchestra of the Zürich Opera House
Conducted by Ralf Weikert

Kritik:
Anlässlich der Wiedereröffnung des Züricher Opernhauses gab es am 1. Dezember 1984 eine Gala zu bestaunen, die große Namen zu verzeichnen hatte, und vom Schweizer Fernsehen übertragen wurde. Ausgewählte Ausschnitte dieses Gipfeltreffens sind nun bei VAI erschienen und lassen zum Teil bereits verstorbene Legenden auferstehen. Solche Gala-Abende sind für Stimmliebhaber und Sammler eine Fundgrube rarer Sängerkombinationen – finden sich doch hier Stars versammelt, die in einer vollständigen Opernaufführung nur selten bis gar nie miteinander auf der Bühne stehen würden. Der Nachteil eines solchen Gipfeltreffens ist der fehlende Zusammenhang der einzelnen Arien und die zumeist fehlende darstellerische Komponente. Die Arien haben kein davor und kein danach, die Chancen sind einmalig, entweder man überzeugt das Publikum oder nicht. Die Züricher Gala von 1984 findet in dieser Hinsicht ansprechende Kompromisse und Zwischenlösungen. Manche Nummern werden in Abendrobe konzertant geboten, wieder andere erfahren halbszenische Darbietungen und der 4. Akt von Bizets ‘Carmen’ findet in vollem Kostüm und Bühnenbild statt. Auf diese Weise sorgt der Abend für Abwechslung und neben vokalen auch für optische Reize.
 
Sinnbildlich eröffnet Dame Gwyneth Jones das Konzert mit Elisabeths ‘Hallenarie’ aus Wagners ‘Tannhäuser’. Die unmittelbare Wucht und gleißende Pracht ihres Soprans ist beeindruckend, doch ist es kein Geheimnis, dass sich zu dieser Zeit längst stimmliche Unzulänglichkeiten und technische Mängel in ihrer Stimme bemerkbar machen, die ihrer durch und durch glaubwürdigen Interpretation nicht mehr ebenbürtig sind. Gerade im Anbetracht ihres späteren stimmlichen Verfalls, hinterlässt diese jubelnde ‘Hallenarie’ Wehmut beim Zuhörer.
Ganz anders Mirella Freni, die mit Tatyanas Briefszene aus Tchaikovskys ‘Eugene Onegin’ alle Register zieht. Vor dem geschlossenen Vorhang stehend entwirft die Freni in diesen 9 Minuten ein vollständiges Rollenportrait, das dramatische Geschlossenheit suggeriert, wo de facto nur ein Ausschnitt vorhanden ist. Mirella Freni präsentiert sich ohne Einschränkungen auf der Höhe ihrer Kunst.
 
Bei den Herren nimmt diesen Platz Alfredo Kraus ein, der als Hoffmann durch seine Leichtigkeit und sprachliche Durchdringung verblüfft. Bei solch einer vollkommenen Darbietung vom Kleinzack-Lied übersieht man gerne den in Standardgesten verhafteten Herrenchor der Züricher Oper, der Pfeife rauchend die Studentenkneipe zu mimen versucht. Der junge Peter Straka ist in dieser Szene als Nathanael zu hören.
Den szenischen Höhepunkt erreicht die DVD-Version dieser Gala mit dem kompletten vierten Akt von Bizets ‘Carmen’. José Carreras singt einen verzweifelten Don José und Doris Soffel ergeht sich ein bisschen zu sehr im Klischee der stolzen Zigeunerin. Stimmlich vermittelt ihr unverwechselbares Timbre aber jene Komponente, die Carmen als Femme fatal charakterisiert. Als szenischen Clou zieht sich Doris Soffel den Ring mit den Zähnen vom Finger, singt mit dem Ring zwischen den Zähnen weiter und spuckt ihn schließlich José vor die Füße. Die übrige Inszenierung ist in ihrer Konventionalität nicht wirklich erwähnenswert, dafür aber die weitere Besetzung: Hier gibt sich Robert Hale als Escamillo die Ehre.
 
Im weiteren Verlauf des Abends gibt es ein Wiedersehen mit Sona Ghazarian, die sich mit einer etwas uninspirierten Juwelen-Arie aus Gounods ‘Faust’ präsentiert – was allerdings hauptsächlich dem undifferenzierten Dirigat anzulasten ist –, während Nicolai Ghiaurov als Rossinis Basilio sein komisches Talent ausspielen darf. Lucia Popp singt ein anfangs noch etwas kurzatmiges Mondlied aus Dvoráks ‘Rusalka’, das sich zu einer fesselnden Herzensangelegenheit steigert. Des Weiteren sind Mara Zampieri, Thomas Hampson, Günther von Kannen und Christian Boesch in Opern von Donizetti, Verdi und Mozart zu erleben.

Die Leitung des Orchesters der Oper Zürich liegt in den routinierten Händen von Ralf Weikert. Den ‘Tannhäuser’ und einen Ausschnitt aus Mozarts ‘Zauberflöte’ dirigiert Ferdinand Leitner. Ein Abend zum Schwelgen, Staunen und Erinnern!     Kritik von Benjamin Künzel, 01.11.2006

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