Eröffnung des neuen Richard Wagner Museums im Juli 2015

Am 26. Juli 2015 eröffnen die Richard-Wagner-Stiftung und die Stadt Bayreuth ihr neues und bedeutendstes Museum. Zur Eröffnung wird eine Sonderausstellung gezeigt, die die wechselvolle Geschichte von Haus Wahnfried zum Thema hat. Das seit 1976 bestehende Richard Wagner Museum präsentiert sich nach dreijähriger Bauzeit mit einem Erweiterungsbau und drei Dauerausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vollständig neu und verdoppelt seine Ausstellungsflächen. 

Im Haus Wahnfried selber werden die Besucher am authentisch-auratischen Ort eine Dokumentation zum Leben, Werk und Schaffen Richard Wagners erleben. Das Erdgeschoss eröffnet erstmals einen vollständigen Einblick in die Zeit um 1880 und die Lebenswelt Richard Wagners. Viele Freunde und bekannte Persönlichkeiten waren hier zu Gast. Im Zuge der Neugestaltung wurden das Speisezimmer und Cosimas Lila Salon rekonstruiert. Bei restauratorischen Untersuchungen des Treppenhauses im Mittelrisalit wurden zudem umfangreiche Farbfunde gemacht, die es ermöglichten, die Ausmalung zu Wagners Lebzeiten weitestgehend zu rekonstruieren. Dokumente aus der Handschriften- und Grafiksammlung des Nationalarchivs werden im Zwischengeschoss in wechselnden Ausstellungen präsentiert.

Dauerausstellungen - Haus Wahnfried – Leben, Werk und Schaffen Richard Wagners
Im Haus Wahnfried werden die Besucher am authentisch-auratischen Ort eine Dokumentation zum Leben, Werk und Schaffen Richard Wagners erleben. Das Erdgeschoss eröffnet erstmals einen vollständigen Einblick in die Zeit um 1880 und die Lebenswelt Richard Wagners. Viele Freunde und bekannte Persönlichkeiten waren hier zu Gast. Dokumente aus der Handschriften- und Grafiksammlung des Nationalarchivs werden im Zwischengeschoss in wechselnden Ausstellungen präsentiert.

Anders als beim Festspielhaus gibt es von Haus Wahnfried kein Foto aus der Erbauungszeit. Die früheste Aufnahme entstand im Winter der Jahre 1874 und 1875, also etwa ein halbes Jahr nach dem Einzug der Familie Wagner. 

Bereits in der Bauphase plante Richard Wagner, eine Büste seines königlichen Gönners und Mäzens Ludwig II. vor dem Haus aufzustellen. Die monumentale Porträtbüste erhielt Wagner jedoch erst im Juli 1875 als Geschenk des Königs selbst. Sie wurde von dem österreichischen Bildhauer Caspar von Zumbusch gefertigt und ist die erste Plastik des bayerischen „Märchenkönigs“, die als Denkmal aufgestellt wurde.

Eine weitere Büste, hielt man lange Zeit für eine Darstellung Richard Wagners, mit der sich der Komponist – zumindest übergangsweise – selbst ein Denkmal gesetzt habe. Mittlerweile weiß man jedoch, dass es sich auch hierbei um eine Büste Ludwig II. handelt. Wahrscheinlich ließ Wagner sie im Jahr 1882 eigens für den menschenscheuen Monarchen anfertigen und im „Königsbau“ an der Vorderseite des Festspielhauses aufstellen, also in den Räumlichkeiten, die ausschließlich Ludwig zur Verfügung standen. Die Büste stand dort in einer Rundbogennische der Eingangshalle. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Tür zum Foyer, die den Blick auf den bekannten „marmornen Theaterzettel“ öffnet. Die Spur der Büste verliert sich 1959, als sie im Zuge von Umbauarbeiten in das Depot des Festspielhauses gebracht wurde.

Der Erweiterungsbau, der vom renommierten Berliner Museumsarchitekten Volker Staab konzipiert wurde, widmet sich der Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele von den Anfängen bis zur Gegenwart. Präsentiert werden hier die Sammlung der historischen Bühnenbildmodelle, Kostüme und Apparaturen aus dem Bayreuther Festspielhaus. Die wertvolle Sammlung ist erstmals in dieser Vielfalt zu sehen. Der Neubau befindet sich auf einem Grundstücksteil, das erst in den 1930er Jahren durch Winifred Wagner zugekauft worden war.

Neubau – Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele
Der Museumsneubau, im westlichen Teil des Gartens, ist vom renommierten Berliner Architekten Volker Staab geplant und gebaut worden. 

Die Dauerausstellung hier widmet sich der Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele bis in die Gegenwart. Präsentiert werden die einmalige Sammlung der historischen Bühnenbildmodelle, originale Kostüme und bühnentechnische Apparaturen in großer Vielfalt aus dem Bayreuther Festspielhaus.

Sonderausstellung
„Wahnfried“ oder „Aergersheim“
Die Geschichte Wahnfrieds vom 27.07.2015 -31.01.2016

Richard Wagner war zeitlebens in halb Europa unterwegs und war fast 60 Jahre alt, als er 1872 in Bayreuth seine eigene Künstlervilla plante und – mit Geldern von König Ludwig II. und Cosima – das von ihm so benannte Haus „Wahnfried“ baute. Wegen der vielen Bauverzögerungen sprach Wagner zwischenzeitlich auch von seinem „Aergersheim“. Die Ausstellung zur Geschichte von „Wahnfried“, die das Schweizer Büro ARTES unter Leitung von Dr. Verena Naegele konzipiert, zeigt die Entstehungsgeschichte und den Wandel dieser einzigartigen Komponisten-Villa vom Wohnhaus mit Anbauten bis hin zum Museum.

1893 errichtete Wagners Sohn Siegfried auf demselben Grundstück das Siegfried-Wagner-Haus, das seine Gattin Winifred ab 1932 mehrfach erweiterte. Auch Adolf Hitler hat u.a. hier als Gast gewohnt. Nach der Zerstörung Wahnfrieds durch eine Bombe 1945 wurde das Haus nach Plänen von Hans Reissinger 1949 wieder bewohnbar gemacht und diente bis zum Tod des Wagner-Enkels Wieland 1966 als Wohnhaus für dessen Familie. Nach der äußerlich originalgetreuen Rekonstruktion wird es seit 1976 als Museum betrieben.

In der Ausstellung geht es nicht nur um die wechselvolle Geschichte des Hauses Wahnfried bis heute, sondern auch um Einblicke in das private Leben der Familie Wagner. Zu sehen sind u.a. das originale Kompositionsklavier Wagners, sowie viele bisher unbekannte Bilder, Pläne und Dokumente, die neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Hauses Wahnfried zutage fördern. Die Ausstellung ist mehrheitlich grafisch gestaltet durch das Atelier Pixelberg Zürich.

Im Siegfried-Wagner-Haus, dem Nebengebäude, das sich Richard Wagners Sohn Siegfried 1894 zum eigenen Wohnhaus hatte umbauen lassen, erwarten die Besucher im Erdgeschoss die Wohnräume Winifred Wagners, die in dieser Form erstmals für die Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Hier ist das Thema die Ideologiegeschichte Wagners: Wie Richard Wagner im Dritten Reich benutzt wurde, welche Beziehungen die Familie Wagner zu den Nationalsozialisten und zu Adolf Hitler persönlich unterhielt.

Siegfried-Wagner-Haus – Ideologiegeschichte
Das Siegfried-Wagner-Haus, gleich neben Haus Wahnfried, das Winifred Wagner bis zu ihrem Tod 1980 bewohnte, ist in seiner originalen Ausstattung der 30er Jahre erhalten und wird den Besuchern erstmals zugänglich gemacht. Hier wird die Ideologiegeschichte Wagners dargestellt, die enge Verbindung zwischen Bayreuth und der NS-Diktatur beleuchtet und von den persönlichen Beziehungen der Familie Wagner zu den Nationalsozialisten und zu Adolf Hitler dokumentiert.

Mit dem Einzug Hitlers als Reichskanzler bei den Bayreuther Festspielen 1933 ist die Symbiose von künstlerischer und politischer Macht vollendet. Die „Königsfreundschaft“ zwischen Ludwig II. und Richard Wagner scheint in der Freundschaft zwischen Adolf Hitler und Winifred Wagner ihr zeitgemäßes Pendant zu finden.

Seit dem Tod Cosima und Siegfried Wagners 1930 wohnt Winifred Wagner als Familienoberhaupt und neue Festspielleiterin in Wahnfried. Das Siegfried-Haus nutzt Winifred für prominente Gäste wie den Dirigenten Arturo Toscanini und Richard Strauss. Aus Protest gegen Hitler legt Toscanini seine Mitwirkung in Bayreuth 1933 nieder. Strauss springt für ihn ein.

Dauerausstellung:
Von 1936 bis zu seinem letzten Festspielbesuch 1940 wohnt Hitler samt Gefolge hier im Siegfried-Wagner-Haus — auf Einladung Winifred Wagners und mit herzlichem Familienanschluss. Nach 1940 kommt Hitler nicht mehr zu den Bayreuther Festspielen. Das Verhältnis zu Winifred kühlt ab.

Schon seit ihrer ersten Begegnung mit Adolf Hitler in Wahnfried am 1. Oktober 1923 ist Winifred Wagner von ihm fasziniert. Hitler beeindruckt mit einem festen Bekenntnis zu Wagner und Bayreuth – zu einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Krisen, als die Existenz und der Fortbestand der Festspiele mehr als fraglich ist.

Mit der ausdrücklichen Billigung ihres Mannes Siegfried tritt Winifred Wagner 1926 in die NSDAP ein. Ihre Kinder schickt sie jedoch nicht auf Parteischulen, sondern auf das humanistische Gymnasium. Der Hitler-Jugend treten Wieland und Wolfgang Wagner 1933 nur für wenige Monate bei.

Nach dem Krieg wird Winifred Wagner in zwei Spruchkammerverfahren zwar als ‚Minderbelastete‘ eingestuft, muss jedoch die Festspielleitung niederlegen. Sie überträgt sie ihren beiden Söhnen Wieland und Wolfgang, denen 1951 der Neubeginn der Festspiele gelingt ‑- trotz der schweren Belastung der Familie und der Festspiele durch die Nähe zu Hitler.

Neue Depoträume für das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung
Dem Richard Wagner Museum angegliedert ist das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, das Schrift- und Bilddokumente, Druckwerke und Gegenstände, die Leben, Schaffen und Nachwirken Richard Wagners betreffen, sammelt, pflegt und bewahrt. Diese Dokumente und Objekte werden in Ausstellungen des Richard Wagner Museums sowie in wissenschaftlicher Forschung und Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Zuge der Neugestaltung wurde unter dem Vorplatz von Haus Wahnfried ein Museumsdepot eingerichtet, in dem die wertvolle Sammlung optimal archiviert wird. 

Öffnungszeiten
Museum:
Dienstag bis Sonntag 10 -18 Uhr
Juli und August täglich 10-18 Uhr

Nationalarchiv & Verwaltung: 
Montag bis Donnerstag 10-12 und 14-16 Uhr
Freitag 10-12 Uhr und nach Vereinbarung

Weitere Auskünfte unter:
www.wagnermuseum.de

Teilen: