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Siegfried Wagner

Herkunft und Jugend
Siegfried Wagner wurde am 6. Juni 1869 in Tribschen bei Luzern geboren, als einziger Sohn Richard Wagners und Cosimas, die zu diesem Zeitpunkt noch mit Hans von Bülow verheiratet war. Der Name war Programm: Der Vater arbeitete zu dieser Zeit an der Vollendung des "Ring des Nibelungen" und widmete Cosima zur Geburt des Kindes und zu ihrem Geburtstag 1870 das "Siegfried-Idyll", ein kammermusikalisch besetztes Orchesterstück, das Motive aus der gleichnamigen Oper aufgreift und am Weihnachtsmorgen auf der Treppe des Hauses Tribschen uraufgeführt wurde.
Ursprünglich für den Architekturberuf bestimmt, studierte Siegfried Wagner zunächst in Karlsruhe und Berlin, gab das Architekturstudium jedoch 1892 endgültig zugunsten der Musik auf. Seine wichtigste kompositorische Ausbildung erhielt er bei Engelbert Humperdinck, der als Assistent bei der Vorbereitung des "Parsifal" (1882) eng mit der Familie Wagner verbunden war.
Dirigent und Festspielleiter
Ab Mitte der 1890er Jahre trat Siegfried Wagner zunehmend als Dirigent in Bayreuth in Erscheinung, zunächst unter der Ägide seiner Mutter Cosima, die die künstlerische Leitung der Festspiele nach dem Tod des Vaters 1883 übernommen hatte. 1908 löste er sie offiziell als Festspielleiter ab und blieb bis zu seinem Tod 1930 in dieser Funktion. In seine Amtszeit fielen einschneidende Zäsuren: Der Erste Weltkrieg zwang die Festspiele zu einer mehrjährigen Unterbrechung, und die Wiedereröffnung 1924 gelang nur durch eine aufwendige Spendenkampagne, mit der Siegfried Wagner das wirtschaftlich angeschlagene Festspielhaus vor dem endgültigen Aus bewahrte. 1915 heiratete er die englischstämmige Winifred Williams; aus der Ehe gingen unter anderem die Söhne Wieland und Wolfgang hervor, die die Festspielleitung nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen.
Werk
Als Komponist hinterließ Siegfried Wagner achtzehn abendfüllende Bühnenwerke, überwiegend Märchenopern nach selbstverfassten Libretti, die deutsches Sagen- und Märchengut mit zeitgenössischen, teils psychologisch aufgeladenen Themen verbinden. Den Auftakt und zugleich seinen größten Bühnenerfolg bildete 1899 "Der Bärenhäuter", mit dem er sich als Komponist neben seiner Dirigententätigkeit zu etablieren begann. Musikalisch bewegt er sich in einer spätromantischen, oft leichteren und formal konventionelleren Tonsprache als sein Vater, mit Anleihen bei Volksliedhaftem, Tanz und komischer Charakterisierung. Zu Lebzeiten wurden seine Opern an zahlreichen deutschen Bühnen gespielt, gerieten nach seinem Tod jedoch weitgehend in Vergessenheit – überschattet sowohl vom übermächtigen väterlichen Werk als auch von der Geschichte der Familie im 20. Jahrhundert.
Siegfried Wagner starb am 4. August 1930 in Bayreuth, wenige Monate nach seiner Mutter Cosima. Initiativen wie die Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft bemühen sich seither um eine Wiederentdeckung seines kompositorischen Werks durch Aufführungen und Einspielungen.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026